Stoffe für Hängematten
Der Stoff der Hängematte muss einigen Ansprüchen genügen. So sollte
er luftdurchlässig sein, um keinen Hitzestau zu verursachen, dabei
angenehm sanft zum Körper. Hängematten müssen weich und elastisch
sein, um sich optimal der Körperform anzuschmiegen, aber auch
Reißfestigkeit ist einer der Hauptkriterien für eine gute
Hängematte. Optimal ist es, wenn die Hängematte nicht nur
strapazierfähig ist, sondern auch noch witterungsbeständig, waschbar
und Schmutz abweisend. Ist der Stoff der Hängematte zusätzlich
federleicht und nimmt wenig Platz weg, dann ist er geradezu ideal.
Heutzutage werden viele Hängematten, die man in Deutschland kaufen
kann, aus Baumwolle gefertigt. Doch das ist erst seit etwa 60 Jahren
der Fall. Zuvor wurde die Hängematte noch aus Baumrinde oder Sisal
hergestellt. Die Matrosen der europäischen Schiffe hingegen
benutzten Segeltuch für die Hängematten. Das war allerdings extrem
Luft undurchlässig, weshalb es in den Hängematten nicht zu dem
gerade bei ihnen gepriesenem Austausch kommen konnte. So waren die
Hängematten der Seeleute nicht selten sehr verschwitzt und für ihre
Besitzer warm, stickig und unbequem.
Die Sisal-Agave, aus deren Blättern Hängematten teilweise auch heute
noch gefertigt werden, ist eine Faserpflanze, die schon vor langer
Zeit von den mittelamerikanischen Einwohnern domestiziert wurde. Die
Fasern sind recht weich und können deshalb gerade für die Produktion
von Hängematten, Hängesesseln und Teppichen genutzt werden. Ebenso
wie die Hängematte, hat sich auch die Sisalpflanze schnell vom
amerikanischen Kontinent in die ganze Welt ausgebreitet und wird
heute in vielen tropischen und subtropischen Regionen als
Nutzpflanze angebaut. Aber gar nicht die praktische Hängematte war
es, die die amerikanischen Ureinwohner vornehmlich aus der robusten
Pflanze herstellten, sondern das Nationalgetränk Mexikos, Pulque,
wurde schon vor dem Eintreffen der Spanier durch den gegoren Saft
der Agave gewonnen. Noch heute kann sich der Mexikaner in einer
Hängematte aus Sisal vom Wind schaukeln lassen und dabei ein milchig
trübes Sisalgetränk zu sich nehmen, was den hohen Nutzwert der
Pflanze zeigt.
Selten werden Hängematten aus Moriche-Palmen gefertigt. Die Warao,
eine indigene Bevölkerungsgruppe aus Venezuela, stellt aus der Palme
ebenfalls nicht nur Hängematten her, sondern auch Einbaum-Kanus,
Speere, Nahrung und Palmwein. Die Hängematten werden nicht nur
selber genutzt, sondern auch an Touristen verkauft und sind selbst
in Deutschland vereinzelt zu erwerben.
Synthetische Fasern werden gerade für wetterfeste Hängematten immer
beliebter. Die Hersteller achten darauf, besonders weiche und
angenehme Stoffe zu verwenden, damit der Aufenthalt in der
Hängematte zu einem Wohlfühlerlebnis sondergleichen wird. Im
Gegensatz zu Hängematten aus Naturfasern, sind diese Ruhemöbel aber
eben wesentlich wetterbeständiger und können deshalb auch den ganzen
Sommer über draußen hängen. Naturfaser-Hängematten sind hingegen für
die Wohnung ideal, können aber auch bei Bedarf draußen zwischen
Bäumen oder an einem Hängematten Gestell aufgebaut werden. Bei den
Synthetikfasern lassen sich die Hersteller einiges einfallen, als
Beispiel sei hier nur eine Hängematte aus Wasser abweisender
Fallschirmseide genannt.
